4. Dezember 2020 · Growth Mindset · Lernen

    Growth Mindset — der missverstandene Begriff

    Carol Dwecks Konzept wird gern auf Tassen gedruckt und falsch zitiert. Was es wirklich heißt — und warum es Organisationen so schwerfällt.

    Carol Dwecks Unterscheidung zwischen Fixed und Growth Mindset ist eines der meistzitierten und meistmissverstandenen Konzepte der modernen Arbeitswelt. Die übliche Lesart: positive Menschen denken, sie können alles lernen. Negative Menschen denken, sie können nichts. Das ist falsch und auch noch nutzlos.

    Dwecks eigentliche Aussage ist enger und unangenehmer: ein Growth Mindset ist die Bereitschaft, sich selbst beim Nichtkönnen zuzusehen — ohne diese Erfahrung als Identitätsbedrohung zu deuten. Das ist nicht angeboren. Es ist auch nicht dauerhaft. Es ist eine Praxis.

    Was Organisationen daraus machen müssten

    • Belohnen, was schwer war — nicht nur, was funktioniert hat.
    • Feedback so geben, dass es das Verhalten adressiert, nicht die Person.
    • Fehler dokumentieren und teilen, nicht entschuldigen oder verstecken.
    • Lernen sichtbar machen — auch wenn es kein Ergebnis hat.

    Was sie meistens daraus machen

    Sie hängen Poster mit dem Wort „Growth Mindset“ in die Kantine und feuern die Leute, deren Quartal nicht passt. Das ist nicht zynisch. Das ist nur das Standardverhalten von Systemen, in denen kurzfristige Resultate gemessen werden und langfristiges Lernen nicht.

    „Becoming is better than being.“— Carol S. Dweck
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